Einkaufswagen-Trick: Kaufen wir mit anderen Griffen mehr?
Ein Einkaufswagen mit zwei parallelen Griffen kann den Einkauf beeinflussen – zumindest zeigte das ein Feldexperiment mit 2.359 Supermarktkunden. Im ausgewerteten Vergleich gaben Nutzer des neuen Griffs im Mittel rund 34 Euro statt 26 Euro aus, also etwa 25 Prozent mehr. Daraus folgt aber nicht, dass Rewe, Aldi und Co. heimlich überall solche Wagen einsetzen.
Die Studie ist spannend, ihr Ergebnis braucht Kontext. Sie untersuchte einen neuartigen Griff in einem Markt über drei Tage. Die Forschenden selbst nennen den Neuheitseffekt als mögliche alternative Erklärung. Aus einem Experiment wird deshalb noch kein allgemeines Gesetz über jeden Einkaufswagen und jeden Einkauf.
So funktioniert der untersuchte Einkaufswagen-Griff
Ein gewöhnlicher Einkaufswagen wird an einer waagerechten Stange geschoben. Dabei ist der Trizeps am Oberarm stärker beteiligt. Beim experimentellen Wagen hielten die Personen zwei parallele Griffe, ähnlich wie bei einer Schubkarre; diese Haltung aktiviert eher den Bizeps.
Die Autoren verknüpften das mit erlernten Bewegungsmustern: Heranziehen werde eher mit Annäherung, Wegdrücken eher mit Vermeidung verbunden. In Laborversuchen und im Supermarkt prüften sie, ob diese Muskelaktivierung die Kaufbereitschaft verändert.
Was die Studie tatsächlich gemessen hat
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Ort | ein Supermarkt in Innsbruck |
| Dauer | drei Tage |
| beobachtete Einkäufe | 2.359 |
| vergleichbare Stichprobe | 388 Einkäufe nach statistischer Zuordnung |
| mittlerer Einkauf | rund 34 Euro mit parallelen Griffen, rund 26 Euro mit Standardgriff |
Die Universität Innsbruck fasst den Feldversuch verständlich zusammen. Der wissenschaftliche Originalartikel dokumentiert Methodik, Stichproben und Grenzen.
Warum „25 Prozent mehr“ nicht für jeden Einkauf gilt
Der Wert ist ein Durchschnitt innerhalb eines bestimmten Versuchs. Niemand kann daraus ableiten, dass der eigene 40-Euro-Einkauf mit einem anderen Griff automatisch 50 Euro kostet. Sortiment, Einkaufszettel, Haushaltsgröße, Tageszeit und spontane Aktionen beeinflussen den Kassenbon ebenfalls.
Die ungewöhnlichen Griffe könnten Aufmerksamkeit geweckt haben. Vielleicht fuhren Versuchspersonen anders, blieben länger im Markt oder betrachteten mehr Regale. Die Autoren versuchten, Gruppen statistisch vergleichbar zu machen, doch ein einzelner Feldversuch kann nicht jede Störgröße ausschließen. Eine Wiederholung in mehreren Ketten, Ländern und Zeiträumen wäre nötig, um die Größe des Effekts zuverlässig zu bestimmen.
Nutzen Rewe, Aldi oder Lidl diesen Trick?
Für einen flächendeckenden Einsatz solcher Doppelgriffe bei den genannten Ketten gibt es in der veröffentlichten Studie keinen Beleg. Der Versuch fand in einem österreichischen Supermarkt statt. Der markante Titel des ursprünglichen Beitrags machte aus einer Forschungsfrage vorschnell einen etablierten Händlertrick.
Supermärkte gestalten Laufwege, Regalplätze, Aktionsflächen und Einkaufswagen durchaus mit Blick auf den Verkauf. Das ist sichtbares Ladenmarketing. Welche Ausstattung eine konkrete Filiale verwendet, lässt sich vor Ort prüfen. Nicht jede technische Besonderheit dient dem Mehrverkauf: Manche Systeme verhindern, dass Wagen das Gelände verlassen. Mehr dazu erklärt unser Beitrag über die Wegfahrsperre an Aldi-Einkaufswagen.
Warum ein großer Einkaufswagen zum Mehrkauf verleiten kann
Neben der Griffhaltung wirkt bereits der verfügbare Platz. Ein halbvoller großer Wagen kann optisch nach „wenig“ aussehen, obwohl der Einkaufszettel erledigt ist. Dazu kommen Süßwaren an der Kasse, Sonderaufbauten und Mengenangebote. Keiner dieser Reize zwingt zum Kauf. Zusammen erhöhen sie aber die Zahl kleiner Entscheidungen, die wir im Markt treffen müssen.
Wer nur wenige Dinge braucht, nimmt besser einen Korb. Das begrenzt Volumen und Gewicht ganz praktisch. Für einen Wocheneinkauf ist ein Wagen sinnvoller; dann hilft eine nach Warengruppen sortierte Liste.
Sechs wirksame Regeln gegen Impulskäufe
- Vorher Mahlzeiten planen und eine konkrete Liste schreiben.
- Nicht hungrig einkaufen.
- Für kleine Einkäufe einen Korb statt Wagen nehmen.
- Grundpreise vergleichen und Mehrfachpacks nur bei echtem Bedarf wählen.
- Ungeplante Produkte zehn Minuten im Wagen lassen und vor der Kasse neu entscheiden.
- Bon nach dem Einkauf markieren: geplant, ersetzt oder spontan.
Die letzte Regel klingt pedantisch, wirkt aber. Nach wenigen Einkäufen zeigt sich, ob vor allem Snacks, Aktionsware oder scheinbare Vorratspackungen das Budget sprengen. Dann lässt sich die persönliche Schwachstelle gezielt angehen.
Einkaufswagen sauber und sicher nutzen
Griffe werden von vielen Händen berührt. Normale Handhygiene nach dem Einkauf reicht im Alltag meist aus; Desinfektionsaktionen ohne konkreten Anlass sind nicht nötig. Lebensmittel gehören verpackt in den Wagen, Kleinkinder nur auf den vorgesehenen Sitz. Wie Keimfunde einzuordnen sind, erläutert unser Faktencheck zu Bakterien auf Einkaufswagen.
Häufige Fragen zum Einkaufswagen-Trick
Was ist der Einkaufswagen-Trick mit zwei Griffen?
Ein Versuchswagen hatte zwei parallele Griffe statt einer Querstange. Diese Haltung sollte den Bizeps und damit eine Annäherungsbewegung aktivieren.
Kauften Versuchspersonen wirklich 25 Prozent mehr?
Im ausgewerteten Feldversuch lag der durchschnittliche Bon rund 25 Prozent höher. Der Wert gilt nicht automatisch für andere Märkte oder Personen.
Wie viele Einkäufe wurden beobachtet?
Über drei Tage wurden 2.359 Einkäufe erfasst; für einen statistisch angeglichenen Vergleich wurden 388 davon herangezogen.
Setzen Aldi, Lidl und Rewe die Doppelgriffe ein?
Die Studie liefert keinen Beleg für einen flächendeckenden Einsatz bei diesen Ketten. Sie fand in einem Markt in Innsbruck statt.
Ist der Effekt wissenschaftlich bewiesen?
Die Studie liefert einen interessanten Befund, aber keine universelle Gewissheit. Weitere unabhängige Feldversuche wären nötig.
Hilft ein Einkaufskorb gegen Spontankäufe?
Bei kleinen Besorgungen kann er helfen, weil Volumen und tragbares Gewicht den Einkauf natürlich begrenzen.
Was schützt am besten vor Impulskäufen?
Ein konkreter Einkaufszettel, ein geplantes Budget, ein Grundpreisvergleich und der Einkauf ohne Hunger senken spontane Entscheidungen.