ROSSMANN testet humanoiden Roboter Walker S2
ROSSMANN testet 2026 einen humanoiden Roboter in der Logistik: Am 17. März traf ein UBTech Walker S2 am Standort Burgwedel ein. Das Pilotprojekt läuft über das gesamte Jahr und soll klären, ob der Roboter repetitive oder körperlich ungünstige Aufgaben sinnvoll übernehmen kann. Ein flächendeckender Einsatz ist damit nicht beschlossen. ROSSMANN prüft zunächst Technik, IT-Integration, Programmieraufwand, Akzeptanz und Skalierbarkeit.
Was ROSSMANN tatsächlich testet
Der Walker S2 soll in reale Logistikabläufe eingebunden werden. Laut ROSSMANN-Pressemitteilung beginnt das Projekt mit ausgewählten Anwendungsszenarien, geht schrittweise in Praxiseinsätze über und endet mit einer Bewertung möglicher weiterer Nutzung. Welche konkreten Tätigkeiten dauerhaft funktionieren, ist Gegenstand des Tests.
Das ist ein wichtiger Unterschied zur üblichen Technikschlagzeile. Ein angelieferter Roboter beweist noch keine Produktivität. In einem Lager muss er mit Menschen, Wegen, Behältern, Software, wechselnder Ware und Sicherheitsregeln zuverlässig zurechtkommen.
Walker S2: bekannte technische Merkmale
| Merkmal | Bedeutung im Pilotprojekt |
|---|---|
| 52 Freiheitsgrade | Viele einzeln steuerbare Gelenkbewegungen für menschenähnliche Abläufe |
| Humanoide Bauform | Kann grundsätzlich in für Menschen gestalteten Umgebungen arbeiten |
| Automatischer Batteriewechsel | Soll längere Einsatzzeiten mit weniger manuellen Unterbrechungen ermöglichen |
| Industrieauslegung | Fokus auf Materialhandhabung und Logistik statt Unterhaltung |
| Programmierbare Aufgaben | Neue Abläufe müssen technisch entwickelt, getestet und abgesichert werden |
Die Zahl der Gelenke sagt nichts über Geschwindigkeit, Fehlerquote oder Kosten im ROSSMANN-Lager aus. Erst der Praxistest zeigt, welche Leistung unter den dortigen Bedingungen erreichbar ist.
Warum ein humanoider Roboter?
Förderbänder, Regalbediengeräte und Roboterarme sind meist effizienter, wenn eine Aufgabe unverändert bleibt. Humanoide Systeme versprechen Flexibilität in Gebäuden, die für Menschen gebaut wurden: Türen, Gänge, Arbeitsflächen und Behälter müssen nicht komplett neu gestaltet werden.
Dieser Vorteil gilt nur, wenn Wahrnehmung und Bewegung stabil genug sind. Ein zweibeiniger Roboter ist komplexer als eine fest montierte Maschine. Unebene Böden, unbekannte Gegenstände und Menschen im Arbeitsbereich erhöhen die Anforderungen.
Rolle von Terra Robotics
Terra Robotics aus Löhne lieferte das System und unterstützt die technische Implementierung. Das Unternehmen vertreibt UBTech-Technologie im deutschsprachigen Raum. Für ROSSMANN geht es daher nicht nur um Hardware, sondern auch um Schnittstellen, Programmierung, Wartung und Schulung.
Im Juli 2026 berichtete UBTech über die Partnerschaft mit Terra Robotics und Einsätze in industriellen Umgebungen, darunter ROSSMANN. Diese Herstellerangabe bestätigt Aktivität, ersetzt aber keine unabhängige Messung der Wirtschaftlichkeit.
Welche Aufgaben passen zum Walker S2?
ROSSMANN nennt repetitive und körperlich unergonomische Tätigkeiten als Ziel. Denkbar sind standardisierte Materialbewegungen, Sortierung oder wiederkehrendes Aufnehmen und Abstellen. Eine endgültige Aufgabenliste wurde nicht veröffentlicht. Seriös ist deshalb nur die Beschreibung der Prüffelder, nicht die Behauptung, der Roboter kommissioniere bereits autonom ganze Aufträge.
- Aufgabe muss klar definierbar und oft wiederholbar sein.
- Gegenstände brauchen ein beherrschbares Gewicht und eine erkennbare Form.
- Arbeitsbereich muss gegen Kollisionen abgesichert werden.
- Fehler müssen erkannt und sicher abgefangen werden.
- Leistung muss über eine gesamte Schicht stabil bleiben.
Die wichtigen Kennzahlen des Tests
Für eine belastbare Bewertung reichen Demo-Videos nicht. Relevant sind Durchsatz pro Stunde, Erfolgsquote beim Greifen, Zahl menschlicher Eingriffe, Stillstandszeit, Energiebedarf und Unfallfreiheit. Hinzu kommen Programmier-, Wartungs- und Integrationskosten.
Ein Roboter kann technisch funktionieren und wirtschaftlich trotzdem ungeeignet sein. Umgekehrt kann ein langsameres System sinnvoll sein, wenn es belastende Aufgaben zuverlässig in Randzeiten übernimmt. Der Vergleich braucht denselben Prozess und eine vollständige Kostenrechnung.
Arbeitsschutz und Zusammenarbeit
Ein beweglicher Roboter teilt Flächen mit Beschäftigten. Geschwindigkeit, Kraftbegrenzung, Not-Halt, sichere Zonen und verständliche Signale müssen zum Prozess passen. Mitarbeitende brauchen klare Regeln: Wer darf stoppen, neu starten oder Fehler quittieren? Was passiert bei einem heruntergefallenen Gegenstand?
ROSSMANN will ausdrücklich beobachten, wie Kollegen die Zusammenarbeit erleben. Akzeptanz ist kein weiches Nebenthema. Ein System, dem Beschäftigte nicht vertrauen oder das ständig Wege blockiert, wird im Alltag umgangen.
Ersetzt der Roboter Arbeitsplätze?
Aus dem Pilotprojekt lässt sich diese Aussage nicht ableiten. ROSSMANN beschreibt Entlastung bei repetitiven und unergonomischen Tätigkeiten. Ob daraus andere Aufgabenprofile, weniger körperliche Belastung oder langfristig ein geringerer Personalbedarf entsteht, hängt von Rollout, Prozesswachstum und Einsatzumfang ab.
Schon die Einführung schafft neue Arbeit in Programmierung, Wartung, Prozessplanung und Aufsicht. Trotzdem sollten Unternehmen Folgen für Qualifikation und Personal transparent diskutieren. „Unterstützung“ und „Automatisierung“ können gleichzeitig wahr sein.
Was bis Ende 2026 offen bleibt
- Welche Use Cases die Zielwerte erreichen
- Wie oft Menschen eingreifen müssen
- Welche IT-Schnittstellen nötig sind
- Wie hoch Gesamt- und Betriebskosten ausfallen
- Ob ein Rollout beschlossen wird
- In welchen Logistikbereichen weitere Systeme sinnvoll wären
Bis ROSSMANN Ergebnisse veröffentlicht, sollte der Walker S2 als laufender Versuch beschrieben werden. Begriffe wie „Revolution“ oder „vollautomatisches Lager“ gehen am bestätigten Stand vorbei.
Wie sich ein Pilot von einem Rollout unterscheidet
Ein Pilot begrenzt Technik, Ort und Aufgaben, damit ein Unternehmen unter kontrollierten Bedingungen lernen kann. Ein Rollout würde dagegen Beschaffung, Wartung, Ersatzteile, Schulung und sichere Prozesse an mehreren Einsatzorten verlangen. Dafür reichen einzelne erfolgreiche Bewegungen nicht aus.
ROSSMANN müsste Ergebnisse reproduzieren und mit Alternativen vergleichen: menschliche Prozessverbesserung, klassische Fördertechnik oder ein mobiler Roboter ohne humanoide Bauform. Erst wenn Leistung, Sicherheit und Gesamtkosten über längere Zeit stimmen, wird aus einem interessanten Versuch ein tragfähiger Betriebsprozess.
Redaktionelle Einordnung
Der Test ist relevant, weil ein großer deutscher Händler humanoide Robotik außerhalb einer Messe in reale Logistik bringen will. Sein Wert liegt gerade in den offenen Fragen. 52 Freiheitsgrade und Batteriewechsel klingen eindrucksvoll; entscheidend sind stabile Leistung, Sicherheit und Kosten. Ende 2026 dürfte weniger die Show zählen als eine nüchterne Liste funktionierender und gescheiterter Prozesse.
Häufige Fragen zum ROSSMANN-Roboter
Welchen Roboter testet ROSSMANN?
ROSSMANN testet den humanoiden Walker S2 des chinesischen Herstellers UBTech. Geliefert und technisch begleitet wird er von Terra Robotics.
Wo wird der Walker S2 eingesetzt?
Das Pilotprojekt läuft in der ROSSMANN-Logistik am Standort Burgwedel.
Wie lange läuft der Robotertest?
Der Test ist nach Unternehmensangaben für das gesamte Jahr 2026 geplant.
Welche Aufgaben übernimmt der Roboter?
Geprüft werden repetitive und körperlich unergonomische Logistikaufgaben. Eine endgültige öffentliche Liste dauerhaft übernommener Tätigkeiten gibt es noch nicht.
Ist ein Rollout bei ROSSMANN beschlossen?
Nein. Die mögliche Ausweitung soll erst auf Grundlage der Ergebnisse des Jahrestests bewertet werden.
Was bedeutet 52 Freiheitsgrade?
Damit sind viele einzeln steuerbare Bewegungsachsen gemeint. Sie ermöglichen komplexe, menschenähnliche Bewegungen, beweisen aber allein noch keine Produktivität.
Soll der Roboter Mitarbeitende ersetzen?
ROSSMANN nennt die Entlastung bei repetitiven und ergonomisch ungünstigen Aufgaben. Konkrete Beschäftigungseffekte lassen sich aus dem Pilotprojekt noch nicht ableiten.
Geprüfte Quellen
- ROSSMANN: Pressemitteilung zum Walker-S2-Pilotprojekt
- UBTech: Partnerschaft und europäische Logistikeinsätze