Bisphenole in Pizzakartons: Öko-Test richtig eingeordnet
Öko-Test fand 2025 in neun von zehn untersuchten Pizzakartons Bisphenole. Das ist ein ernst zu nehmender Laborbefund, aber kein Grund für Panik: Entscheidend sind die nachgewiesene Menge, der Übergang auf Lebensmittel und die tatsächliche Aufnahme. Eine häufig wiederholte Zahl braucht dabei eine Korrektur. Der höchste BPA-Übergang lag laut Öko-Test rund 45.000 Prozent über dem von der EFSA festgelegten tolerierbaren Tageswert – nicht 45.000-fach.
Redaktionell und fachlich geprüft im September 2026. Die Untersuchung umfasste zehn Kartons und ist keine Vollerhebung des deutschen Markts.
Was Öko-Test tatsächlich untersuchte
Das Labor prüfte zehn unbedruckte Pizzakartons verschiedener Anbieter auf Bisphenol A, Bisphenol S und weitere verwandte Stoffe. In neun Kartons wurden Bisphenole nachgewiesen. Zusätzlich ließ die Redaktion testen, ob BPA und BPS aus dem Karton in ein Lebensmittel-Simulanz übergehen können. BPA wanderte bei vier belasteten Proben, BPS bei allen betroffenen Proben in die Prüflösung.
Die vollständige Methodik und Produktbewertung stehen im Pizzakarton-Test von Öko-Test. Weil Karton, Pizza, Kontaktdauer, Temperatur und Fettgehalt variieren, lässt sich aus dem Laborwert nicht die persönliche Dosis nach jeder Bestellung berechnen.
45.000 Prozent sind nicht 45.000-fach
Öko-Test bezog die höchste gemessene BPA-Migration auf eine 60 Kilogramm schwere Person, die eine ganze Pizza isst. Der Wert überstieg die tolerierbare tägliche Aufnahmemenge nach EFSA demnach um rund 45.000 Prozent. Mathematisch entspricht das ungefähr dem 451-Fachen des Richtwerts. Die Prozentangabe bleibt sehr hoch; die Umrechnung verhindert jedoch eine zusätzliche Verhundertfachung durch missverständliche Schlagzeilen.
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Nachweis im Karton | Der Stoff wurde im Verpackungsmaterial gefunden. |
| Migration | Der Stoff ging unter Prüfbedingungen in eine Lebensmittelsimulanz über. |
| TDI | Tolerierbare tägliche Aufnahmemenge für eine lebenslange tägliche Aufnahme. |
| Einzelne Pizza | Eine konkrete Exposition, nicht automatisch eine akute Vergiftung. |
Praktische Orientierung
- Verunreinigung durch Bisphenole: Fast alle getesteten Pizzakartons sind mit gefährlichen Chemikalien wie Bisphenol A (BPA) und Bisphenol S (BPS) belastet, obwohl diese Substanzen als fortpflanzungsschädigend gelten.
- Recyclingproblematik: Die Chemikalien können über Recyclingpapier in die Kartons gelangen, und die genaue Zusammensetzung der verwendeten Materialien ist oft unklar, da viele Hersteller keine transparen Informationen zum Recyclinganteil bereitstellen.
Überblick über Bisphenole
In der heutigen Welt begegnen Sie möglicherweise häufig dem Begriff „Bisphenole“. Diese chemischen Verbindungen, insbesondere Bisphenol A (BPA) und Bisphenol S (BPS), sind in vielen Alltagsprodukten zu finden, inklusive Lebensmittelverpackungen. Der jüngste Test von Öko-Test hat alarmierende Ergebnisse zutage gefördert: Fast alle getesteten Pizzakartons waren mit diesen schädlichen Chemikalien belastet. Besonders besorgniserregend ist, dass BPA und BPS als „besonders besorgniserregende Stoffe“ laut der EU-Chemikalienverordnung eingestuft sind. Dies wirft Fragen über die Sicherheit unserer Lebensmittelverpackungen auf und zieht ernsthafte gesundheitliche Bedenken nach sich.
Was sind Bisphenol A und S?
Bisphenol A (BPA) ist eine synthetische Chemikalie, die häufig in der Kunststoffproduktion und in Beschichtungen verwendet wird. Diese Verbindung wurde in zahlreichen Studien mit gesundheitlichen Risiken in Verbindung gebracht. Während BPS als Alternative zu BPA entwickelt wurde, ist auch deren Sicherheitsprofil noch nicht ausreichend erforscht. Sie sollten sich bewusst sein, dass die Exposition gegenüber diesen Chemikalien vor allem über die Aufnahme durch Lebensmittel, die in diesen Verpackungen gelagert werden, erfolgen kann.
Öko-Test Untersuchungsergebnisse
Die Konsequenzen dieser Ergebnisse sind gravierend, insbesondere weil die EU-Vorgaben für die Verwendung dieser chemischen Stoffe in Verpackungen für Lebensmittel erst kürzlich verschärft wurden. Während der Einsatz von BPA und BPS in Verpackungsmaterialien seit dem 20. Januar 2022 verboten ist, gilt dies nicht für Papierverpackungen. Daher stellt sich die Frage, wie die Chemikalien trotz der neuen Regelungen immer noch in den Pizzakartons nachgewiesen werden konnten und was dies für Ihre Gesundheit bedeutet.
Testmethodologie
Für die Untersuchung ließ Öko-Test zehn Pizzakartons aus verschiedenen Quellen, darunter bekannte Ketten und Lieferdienste sowie Großhandelsprodukte, in ein Labor analysieren. Die Auswahl umfasste eine breite Palette von Lebensmittelverpackungen, um ein umfassendes Bild der Kontamination und der Herkunft der Chemikalien zu erhalten. Die Laboranalysen zielten darauf ab, die Konzentrationen von BPA und BPS in den Kartons zu bestimmen und herauszufinden, ob diese die von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) als unbedenklich eingestuften Dosen überschreiten.
Wesentliche Erkenntnisse zu Pizzakartons
Die Testergebnisse von Öko-Test verdeutlichen, dass die Risiken durch BPA und BPS in Pizzakartons weitreichend sind. Während einige Hersteller wie Pizza Hut durch die Verwendung von Frischfaserpapier punkten, stellen die meisten anderen einen alarmierenden Befund dar. Die Methode, Recyclingpapier in den Kartons zu verwenden, führt möglicherweise dazu, dass solche giftigen Chemikalien aus anderen Quellen, wie alten Kassenbons, in die Lebensmittelverpackungen gelangen.
Es ist wichtig, dass Sie sich der Risiken bewusst sind, die mit der Verwendung gewisser Pizzakartons verbunden sind. Laut Öko-Test ist der einzige Hersteller, der sich keine Vorwürfe machen muss, Pizza Hut, dessen Verpackungsmaterialien frei von BPA und BPS sind. Diese Ergebnisse legen nahe, dass Verbraucher besser informiert werden müssen, um fundierte Entscheidungen über die Lebensmittel, die sie konsumieren, treffen zu können. Achten Sie beim nächsten Pizza-Bestellen darauf, welche Marken Sie auswählen und ob deren Verpackungen möglicherweise bedenkliche Chemikalien enthalten.
Regulatorische Veränderungen und Compliance
Seit dem 20. Januar dürfen BPA und BPS nicht mehr in Verpackungen für Lebensmittel eingesetzt werden. Diese Regelung gilt jedoch nicht für Papier, was eine erhebliche Lücke darstellt, die es zu schließen gilt. Da die Testergebnisse von Öko-Test zeigen, dass viele Pizzakartons weiterhin mit diesen schädlichen Chemikalien belastet sind, könnten gesetzliche Änderungen notwendig sein, um auch Papierverpackungen zu regulieren. Die Verantwortung fällt nicht nur auf die Hersteller, sondern auch auf die Aufsichtsbehörden, sicherzustellen, dass diese Regelungen effektiv produziert und durchgesetzt werden.
Verbraucherbewusstsein und Handeln
Ihr Bewusstsein und Ihre Reaktionen als Verbraucher sind entscheidend, um eine Veränderung herbeizuführen. Angesichts der alarmierenden Testergebnisse sollten Sie informierte Entscheidungen treffen und Produkte bevorzugen, die garantiert ohne BPA und BPS sind. Ihre Kaufentscheidung hat Einfluss auf die Hersteller, die durch Ihre Nachfrage gezwungen werden, sicherere Alternativen zu entwickeln. Nur durch aktives Handeln – sei es durch bewussten Einkauf oder durch umfassende Aufklärung – können Sie zur Förderung sicherer Verpackungspraktiken beitragen.
In diesem Zusammenhang sind Sie nicht nur Konsument, sondern auch Teil einer notwendigen Bewegung, die sich für lebensmittelsichere Produkte einsetzt. Die Testergebnisse von Öko-Test zeigen, dass viele Verpackungen, wie die der Pizzakartons, nach wie vor schadstoffbelastet sind. Informieren Sie sich über die Sicherheitsstandards und ziehen Sie alternative Anbieter in Betracht, die transparent über ihre Verpackungen kommunizieren und garantieren können, dass keine gefährlichen Chemikalien verwendet werden.
Überprüfung anderer Marken
Die Ergebnisse der Öko-Test-Untersuchung machen deutlich, dass die Mehrheit der anderen getesteten Marken, darunter auch namhafte Ketten und Lieferdienste, nicht so positiv abschneidet wie Pizza Hut. Viele von ihnen nutzen Pizzakartons, die mit hohen Mengen von BPA und BPS belastet sind. Diese belastenden Testergebnisse sollen Verbraucher dazu anregen, bewusster mit ihren Kaufentscheidungen umzugehen und Anbieter zu wählen, die sich für sichere Verpackungen einsetzen.
Empfehlungen für Verbraucher
Angesichts der alarmierenden Ergebnisse von Öko-Test, die fast alle getesteten Pizzakartons mit Bisphenol A (BPA) und Bisphenol S (BPS) belasten, ist es für Sie entscheidend, bewusste Entscheidungen beim Kauf von Lebensmitteln zu treffen. Seit dem 20. Januar sind BPA und BPS zwar offiziell nicht mehr in Verpackungsmaterialien für Lebensmittel erlaubt, doch für Papierverpackungen gilt diese Verordnung nicht. Daher sollten Sie die Verpackungen sorgfältig prüfen und bevorzugen, wo immer möglich, Produkte von Herstellern, die transparent über ihre Materialien berichten.
Wählen Sie sichere Verpackungen
Um sicherzustellen, dass Ihre Lebensmittel nicht von schädlichen Chemikalien belastet sind, entscheiden Sie sich für Marken, die aktiv Produkte aus Frischfaserpapier verwenden. Pizza Hut hat sich als positiver Ausnahmefall erwiesen, denn die Innen- und Mittelschicht ihrer Kartons ist durchgehend frei von BPA und BPS. Halten Sie Ausschau nach solchen Anbietern und prüfen Sie auch den Recycling-Anteil von Verpackungsmaterialien, um potenzielle Chemikalienbelastungen zu minimieren.
Warum Altpapier eine Rolle spielen kann
Bisphenole werden für Pizzakartons nicht zwingend absichtlich eingesetzt. Sie können über Recyclingfasern, etwa aus Thermopapieren oder anderen Papierprodukten, in den Stoffkreislauf gelangen. Ein brauner oder unbedruckter Karton ist deshalb nicht automatisch frei von problematischen Rückständen.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung erklärt, dass die EU-Verordnung 2024/3190 BPA in vielen Lebensmittelkontaktmaterialien untersagt. Papier und Pappe sind von diesem spezifischen Verbot ausgenommen, weil BPA dort üblicherweise nicht gezielt verwendet wird. Für BPS und BPF ist die Datenlage laut BfR deutlich dünner.
So reduzieren Sie den Kontakt im Alltag
- Pizza nach dem Transport auf einen Teller oder ein Brett legen.
- Reste nicht im Karton aufbewahren oder darin erneut erhitzen.
- Fettige Beläge möglichst nicht stundenlang auf der Pappe liegen lassen.
- Bei regelmäßigen Bestellungen nach einer Einlage aus Frischfaser oder alternativen Verpackungen fragen.
- Den Karton nur ins Altpapier geben, wenn die örtlichen Regeln das erlauben und er nicht stark verfettet ist.
Ein kurzer Transportkontakt ist nicht dasselbe wie das Aufbewahren warmer, fettreicher Pizza über mehrere Stunden. Temperatur, Zeit und Fett fördern bei vielen Stoffen den Übergang aus Verpackungen.
Was der Befund für Verbraucher bedeutet
Die sinnvollste Reaktion ist nüchtern: Kontaktzeit verkürzen, heiße Reste umpacken und Anbieter nach Verpackungen fragen. Ein einzelnes Essen rechtfertigt keine medizinische Untersuchung. Wer die persönliche Belastung reduzieren möchte, sollte mehrere Quellen betrachten – Lebensmittelverpackungen, Thermopapier und bestimmte Alltagsprodukte – statt nur den Pizzakarton zu fürchten.
Wie man Verpackungsversprechen und verkleinerte Packungen beim Einkauf prüft, erklärt unser Ratgeber zu Mogelpackungen und Verpackungstricks.
Häufige Fragen
Sind Bisphenole in jedem Pizzakarton enthalten?
Nein. Öko-Test fand Bisphenole in neun von zehn untersuchten Kartons. Die kleine Stichprobe erlaubt keine Aussage über jeden Karton auf dem Markt.
Was bedeutet der Wert von 45.000 Prozent?
Der höchste BPA-Übergang lag rund 45.000 Prozent über dem EFSA-Tageswert. Das entspricht ungefähr dem 451-Fachen, nicht dem 45.000-Fachen.
Gehen Bisphenole wirklich auf die Pizza über?
Im Labortest migrierte BPA aus vier belasteten Kartons und BPS aus allen betroffenen Proben in die verwendete Lebensmittelsimulanz.
Ist eine Pizza aus dem Karton akut giftig?
Aus dem Testergebnis folgt keine pauschale akute Vergiftung. Es zeigt jedoch vermeidbare Exposition, weshalb langes Lagern und Wiedererhitzen im Karton nicht ratsam sind.
Warum stecken Bisphenole in Recyclingkarton?
Sie können über belastete Altpapierfasern in den Recyclingkreislauf gelangen, obwohl der Kartonhersteller sie nicht absichtlich zusetzt.
Was sollte man mit Resten machen?
Reste zügig in einen geeigneten Behälter umfüllen, kühlen und später auf einem Teller oder in einer passenden Form erhitzen.
Sind BPS und BPF unbedenklich?
Das lässt sich nicht behaupten. Laut BfR sind sie weniger umfassend untersucht; ähnliche Wirkmechanismen werden angenommen.